Fleischbaum

In der Nähe von Sachsenbrunn, auf dem Stelzner Berg ( Höhe 567) befindet sich weithin sichtbar eine riesige Esche (Faxinus Exelsior L.). Sie ist schon über 400 Jahre alt und hat einen Stammumfang von stattlichen 4,70 Metern. - Der Kronendurchmesser beträgt ca. 22-23 m und sie ist etwa 15 m hoch.

 


Auf dem Territorium der heutigen Gemeinde Sachsenbrunn, das sich links und rechts der oberen Werra und Itz erstreckt , befinden sich noch heute, in den Wäldern versteckt, Reste von Burganlagen und alten Kultstätten. Burgwälle finden wir z.B. auf der Gruber Höhe beim Ortsteil Weitesfeld und auf dem Burgberg bei Sachsendorf Richtung Hinterrod. Sachsendorf (auch Sassendorf) soll wie Ernst Dahinten (Eisfeld) in seiner „Geschichte der Heimat" schreibt, eine sächsische Gründung sein. Urkundlich tauchen die Namen Sachsendorf und Schwarzenbrunn (auch Schwarzebrönn) und Tossental erstmals 1317 auf, die erste Besiedlung muss aber schon vor dem 9. Jahrhundert erfolgt sein, wie wissenschaftliche Untersuchungen der Fliehburgen ergeben haben.

Das Gebiet gehörte nach dem Zusammenbruch des Thüringer Königreiches (531) als Teil der ostfränkischen Gaue zum Grabfeldgau . Im 6. bis 9. Jahrhundert drangen Slawen in das Gebiet des östlichen Grabfeldgaues ein und gründeten Siedlungen. Karl der Große ließ 805 gegen die Slawen eine Grenzlinie ziehen. Sie nannte sich „ limes sorbaticus " und verlief entlang der Itz. Sie streifte das Sachsenbrunner Territorium bei Weitesfeld, Tossental und Stelzen, also in dem Gebiet um den heutigen Fleischbaum .

Die Esche erinnert nach Untersuchungen von Frau Gudrun Zwingelberg an eine alte Opferstätte der Sachsen. Die Besiedlung im Grabfeldgau schob sich im 7. und 8. Jahrhundert zum Gebirge (Thüringer Wald und Frankenwald) vor. Die Besiedlungswellen waren Bestandteil der Germanisierung und Christianisierung durch die Herrscher des Frankenreiches. Die Kultstätte lag zur damaligen Zeit in den Wäldern versteckt und war ein heimlicher Treffpunkt der Sachsen, die sich gegen die Christianisierung energisch wehrten und eigene Götter verehrten. Die Anmarschwege zum Stelzner Berg waren ursprünglich auch bewaldet und die Sachsen konnten so, den Blicken der Franken entzogen , ihren Göttern huldigen.

Es ist nicht auszuschließen , dass nicht nur Tiere, sondern auch Menschen (z.B. Kriegsgefangene) zum Opfer gebracht wurden. Jahrhunderte später wurden die Wälder gerodet und das Holz der umliegenden Wälder wurde zur Grundlage von Gewerben für Schindelmacher, Pfählemacher, Schneidmüller, Böttcher, Wagner, Drechsler u.ä. genutzt. Der Fleischbaum steht seitdem als weithin sichtbares Naturdenkmal auf freiem Gelände. Jäger sollen sich nach der Jagd dort zusammengefunden und das Fleisch geteilt und verkauft haben. Der Name "Fleischbaum" auf dem Stelzner Berg ist so über viele Jahrhunderte erhalten geblieben. Die alte Esche steht unter Naturschutz.

 

Text von Renate Hofmann, Ortschronistin der Gemeinde Sachsenbrunn